Raja Yoga

Raja Yoga ist unter den vier großen klassischen Wegen des Yoga der königliche Yoga, der Yoga der Beherrschung. Hatha und Kundalini Yoga, die beide unabhängig vom Raja Yoga vorgestellt werden sollen, stellen in diesem System „Unterwege“ des Raja Yoga dar. Ziel des Raja Yoga ist die Entwicklung und Beherrschung des eigenen Geistes.

Raja Yoga

Zu diesem Zweck verbindet Raja Yoga philosophische Ansätze und praktische Übungen zu einem ganzheitlichen System aus den Asthangas, den „acht Stufen“ bzw. „acht Gliedern“, die Patanjali vermutlich zwischen ca. 200 v. Chr. – 200 n. Chr. in seinen Yoga-Sutras festgehalten hat: Regeln für den Umgang mit anderen (Yama), Regeln für den Umgang mit uns selbst (Niyama), Körperstellungen (Asanas), Atmung (Pranayamas), Zurückziehen der Sinne aus der Außenwelt (Pratyahara), Konzentration auf einen Gedanken (Dharana), Meditation (Dhyana) und den überbewussten Zustand (Samadhi)

Die Yamas umfassen die Grundsätze nicht zu verletzen, wahrhaftig zu sein, nicht zu stehlen, enthaltsam zu sein und keine Geschenke anzunehmen. Dieser Verhaltenskodex soll dem Yogi helfen, mit seinen Mitmenschen besser auszukommen und mit der Umwelt im Einklang zu leben.

Es folgen die fünf Niyamas, die dem Yogi hinsichtlich des Umgangs mit sich selbst den rechten Weg weisen: geistige und körperliche Reinlichkeit, Zufriedenheit, geistige und körperliche Disziplin (Askese), Studium spiritueller Schriften sowie Selbststudium und schließlich die Hingabe an das Göttliche und zwar unabhängig von einer Religion. Lesen Sie mehr über Patanjalis 10 Gebote der Lebensfreude, die sich aus den 5 Yamas und den 5 Niyamas ergeben.

Mit den Asanas, den klassischen Körperübungen des Yoga, die auch im Hatha Yoga Anwendung finden, erlernt der Yogi die rechte Meditationshaltung und mit den Pranayamas, den Atemübungen, lernt er, seine Lebensenergie zu beherrschen. Im Pratyahara erfolgt dann die Verinnerlichung, die Hinwendung zum eigenen Selbst, weg von den Einflüssen der Außenwelt.

Im sechsten Schritt, dem Dharana, lernt der Yogi, sich ausschließlich auf einen Gedanken zu konzentrieren. Der Übende richtet seine gesamte Konzentration dabei zumeist auf einen Punkt in seinem Körper oder auf sogenannte Mantras, die ständig wiederholt werden.

Auch auf die Leere selbst oder auf Gott kann der Yogi seinen Gedanken lenken. In der Meditation, dem siebten Glied des Raja Yoga, erhebt sich der Yogi in höhere Bewusstseinszustände und lässt alle Bedürfnisse und Gedanken hinter sich. Im überbewussten Zustand (Samadhi) dann findet er die Erleuchtung. In diesem Zustand, der weit über das Träumen und den Tiefschlaf hinausgeht, geht der Yogi vollkommen in dem Objekt auf, über das er meditiert. In den Yoga Sutras heißt es: „Wenn (das Zur-Ruhe-Kommen) mit Hilfe von logischem Denken, prüfender Überlegung, Seligkeit oder Ichbewußtsein erlangt wird, führt es zu verschiedenen Arten der Versenkung, die mit Erkenntnis verbunden sind (samprajnata).“

Am Ende diese königlichsten der Yoga-Wege stehen die wahre Erleuchtung (Asamprajnata Samadhi), die Vereinigung mit dem höchsten Atman (dem wahren Selbst) und das Transzendieren des Ich-Gefühls und somit das Auflösen jeglicher Dualität.