Kundalini Yoga

Kundalini Yoga

Kundalini Yoga ist der Yoga der Bewusstheit. Im Zentrum dieses Yoga-Weges steht die Kundalini-Kraft.

Kundalini bedeutet im Sanskrit, der alten Sprache Indiens, so viel wie Schlange. Die Kundalini- oder Schlangen-Kraft ist eine ätherische Kraft, die den tantrischen Schriften zufolge, jedem Menschen innewohnt und als schlafend zusammengerollte Schlange am unteren Ende der Wirbelsäule, im untersten Chakra, ruht. Über die yogischen Praktiken wird sie im Kundalini Yoga zum Leben erweckt. Die aktivierte Kraft steigt dann hinauf und durchstößt dabei alle Chakren (Hauptenergiezentren) des Körpers, bis sie im obersten Chakra angelangt ist, wo sie sich mit der kosmischen Seele vereint und dem Yogi zu höchstem Glück und Erleuchtung verhilft.

Alle Praktiken des Kundalini Yoga dienen also dem einzigen Zweck, der erwachten Schlange, Kundalini, den Weg zum obersten Chakra frei zu machen. Hierfür werden mit den Asanas, Pranayamas, Mudras, Mantras und Visualisierungen – den wesentlichen Praktiken des Kundalini Yoga – die Nadis, die Energieleitbahnen des Körpers, und die Chakren, die Energiezentren, gereinigt und geöffnet.

Mit Kundalini Yoga zu Glück und Erleuchtung

Der Kundalini Yoga geht davon aus, dass der Durchschnittsmensch nur einen Bruchteil der Fähigkeiten entwickelt hat und nutzt, die ihm zur Verfügung stehen. Die Übungen sollen den Yogis dabei helfen, ihr gesamtes Potential zu nutzen. Hierfür bedient sich der Kundalini Yoga Aspekten anderer Yoga-Wege, darunter z. B. Hatha und Raja Yoga.

Eine der wichtigsten Grundlagen des Kundalini Yoga ist die sogenannte Shiva-Shakti-Philosophie. Der Grundgedanke dieser Philosophie ist die Unterscheidung in Shiva – das absolute Bewusstsein, die kosmische Seele – und Shakti – die schöpferische Energie. Ursprünglich waren Shiva und Shakti eins, doch sie wurden getrennt.

Das Ziel des Kundalini Yoga besteht nun darin, die Kundalini-Shakti zu erwecken und so die individuelle Seele mit der kosmischen Seele (Shiva) zu vereinen. Erst in der Einheit von Shiva und Shakti ist der Mensch frei und kann Erleuchtung finden.

Durch intensives Üben der Asanas, Pranayamas und Meditationen im Kundalini Yoga vervielfältigt der Yogi seine Lebenskraft, verstärkt seine persönliche Ausstrahlung und seine intuitiven Kräfte. Im Zustand des Überbewusstseins erfährt er die Einheit mit dem Unendlichen und findet Erleuchtung.

Die wichtigsten Übungen des Kundalini Yoga sind der Kamelritt, die Zangenhaltung, die Streckposition und Sat Kriya, die Wahrheits-Übung. In Übungsreihen oder Yoga-Sets kann sich der Yogi dann vollkommen einzelnen Organen, Organsystemen oder Themengebieten widmen. So gibt es Übungsreihen für das Immunsystem, für die Lungen und den Atem, für bestimmte Emotionen sowie Yogaübungsreihen, um Ärger abzubauen, Ängste zu lösen, inneren Frieden zu finden oder unklare Situationen aufzulösen. Ganz typisch sind beim Kundalini Yoga dynamische oder fließende Übungsfolgen sowie ruhige Halteübungen und vielseitige Mantra-Meditationen.

Der Kundalini Yoga, wie wir ihn heute in den westlichen Ländern kennen, geht übrigens auf Yogi Bhajan (1929 – 2004) zurück, einen Sikh aus Nordindien. Als Sohn eines Arztes kam Yogi Bhajan schon früh in Kontakt mit Yoga und schon im Alter von 16 Jahren wurde er zum Meister des Kundalini Yoga erklärt. In den 1960er Jahren sprach Bhajan über „happy, healthy, holy“ als die drei Lebensgrundrechte, die durch Kundalini Yoga gefördert werden könnten. Ihm verdankt die westliche Welt heute mehr als 300 Kundalini-Zentren in 35 Ländern.