Die Geschichte des Yoga

Die Geschichte des Yoga

Die Ursprünge des Yoga liegen in Indien. Dabei geht man davon aus, dass frühe Formen bereits vor 4.000 Jahren bekannt und gebräuchlich waren. Bereits Jahrtausende alte Textsammlungen erwähnen Yoga in Zusammenhang mit magischen Opferhandlungen und Ekstasetechniken. Demnach galt Yoga im Hinduismus und Buddhismus als eine Form der Meditation, die zur Erleuchtung führen sollte. Nicht die körperliche Betätigung stand dabei im Vordergrund, sondern das Meditieren und Denken.

In seinen Ursprüngen ist Yoga also eher als philosophische Strömung und ganzheitlicher Ansatz zu verstehen. Existenzielle Fragen der Menschheit, wie die Wiedergeburt, das persönliche Schicksal und Karma sowie das Gesetz von Ursache und Wirkung, wurden hier durchdacht und diskutiert. Das zentrale Thema aber bleibt die Erleuchtung, die je nach Strömung, als Erlösung aus dem Kreis der Wiedergeburten oder als völlige Ruhe des Geistes in einem formlosen Zustand verstanden wird.

Die Heilige Schrift Indiens, die Bhagavad Gita (Der Gesang Gottes), gilt als die wichtigste theoretische und philosophische Grundlage des Yoga. Sie ist Teil des großen Epos “Mahabarata” und gilt als Quintessenz der Veden. In ihr legt der Gott Krishna dem Kriegshelden Arjuna den Weg des Yoga dar.

Wissenschaftlich wurde das Thema dann erstmalig zwischen 200 v.Chr. und 200 n.Chr. von Patanjali in den sogenannten “Yoga-Sutras” aufgearbeitet. Patanjali verfasste jene klassischen Texte, die noch heute die Grundlage fast aller Yoga-Richtungen sind.

Die Entdeckung des Körpers

Der Körper galt im Yoga allerdings anfangs eher als ein Hindernis, das es zu überwinden galt. Der klassische Meditationssitz und fast alle Yoga-Stellungen stammen noch aus dieser Zeit. Hintergrund war es, den Körper geschmeidig zu machen, damit er stundenlang in dem kompliziert scheinenden Sitz verharren konnte.

Erst mit den Einflüssen des Tantra im 5. Jahrhundert wurde der Körper im Yoga bewusst eingesetzt. Es entwickelte sich ein körperbezogener Übungsweg, Hatha-Yoga genannt. 800 Jahre lang (zwischen 800 und 1600 n.Chr.) stand dieser Übungsweg allen Indern, unabhängig von Religion und Kaste, offen. Seit 1500 aber gewannen die streng religiösen Gruppen erneut an Einfluss und das Hatha-Yoga verschwandt für die kommenden 300 Jahre.

Die Renaissance des Yogas

Erst im 19. Jahrhundert brachten Indologen und Religionswissenschaftler die uralten, vergessenen Texte des Yoga wieder zurück ans Tageslicht und lösten damit eine ungeahnte Euphorie aus. Die Übungen schienen wie gemacht dafür, den modernen Menschen von seinen Zivilisationskrankheiten zu heilen. Uralte Techniken wurden überprüft und an die neuen Bedürfnisse angepasst. Yoga wurde als Botschaft verstanden, als Weg der Heilung und als ganzheitlicher Lebensansatz. Ende des 19. Jahrhunderts entstand der Wunsch, diese Botschaft auch in andere Kulturen zu tragen.

Es dauerte allerdings bis in die 1930er Jahre hinein, bis Yoga schließlich auch Europa erreichte. Während in den 60er Jahren eher der gesundheitliche Aspekt im Vordergrund stand, entdeckten europäische Spirituelle und Heilpraktiker in den 90er Jahren Yoga dann als Weg zur Selbstfindung und Selbstverwirklichung wieder und erweckten damit den ursprünglichen Gedanken zu neuem Leben.

Die Entwicklung des Yoga in Deutschland

In Deutschland fand Yoga erst nach 1945 Zulauf. Zwar hatten Entdecker, wie Humboldt, Herder und Schopenhauer, schon zuvor von dieser Meditationsform berichtet und für einen regelrechten Indienkult gesorgt, doch Hitler verbot die Verbreitung des Yoga, als ihm bewusst wurde, dass die Beschäftigung damit den Geist der Menschen frei und unabhängig machte.

Nichtsdestotrotz gründete der Exilrusse Boris Sacharow bereits 1939 die “Erste Deutsche Yogaschule” (EDY) in Bayreuth. Nach dem Krieg griff Ingeborg Kurig-Kroeker die Idee auf und eröffnete 1952 eine Yogaschule in Hannover. 1956 zählte der “Bund der Yoga-Freunde in Deutschland” bereits 600 Mitglieder.

In den 70er Jahren erlebte Yoga in der BRD einen regelrechten Boom, sodass man bald von Yoga als dem “Volkssport” sprach. In der DDR konnte sich Yoga erst Ende der 70er Jahre allmählich etablieren, erfreute sich dann aber auch hier schnell großer Beliebtheit. Heute wird Yoga überall in Deutschland und Europa als geistige Bereicherung verstanden, die – unabhängig von Religion und Weltanschauung – Körper, Geist und Seele in Einklang bringen soll.