Kinderyoga

Beim Kinderyoga bekommen die Jüngsten ein ganz neues Körpergefühl.

Kinderyoga mag für viele Eltern erst einmal seltsam klingen: Kinder sollen doch draußen spielen, rennen und toben und sich nicht in geschlossenen Raumen umständlich verbiegen und beduldig Atemübungen machen. Das ist zwar richtig, auf der anderen Seite ist aber unbestreitbar, welche positiven Effekte Kinderyoga – in Ergänzung zum Spielen und Toben – haben kann. Es den „Großen“ gleich zu tun, liegt in der Natur der Kinder und wenn Mama und Papa regelmäßig Yoga praktizieren, gibt es keinen Grund, warum die Kleinen nicht nachahmen sollten, was sie tagtäglich sehen. Auf der anderen Seite ist es aber ebenso natürlich, dass sich Yoga für Erwachsene nicht eins zu eins in Kinderyoga übersetzen lässt. Während die „Großen“ Yoga bewusst praktizieren und eine Vereinigung von Körper, Geist und Seele anstreben, die ihnen gut tut, geht es Kindern beim Yoga vor allem darum, ihren Bewegungsdrang voll auszuleben. Kinder sind einfach neugierig, wollen erkunden, erleben und erfahren. Ihnen ist nicht wichtig, welche Philosophie sich hinter der Praxis verbirgt oder was die einzelnen Asanas in ihrem Körper bewirken. Sie streben auch nicht nach Erleuchtung, sondern einfach nur nach Selbsterfahrung und Zufriedenheit. Das ist eine innere Haltung, von der auch viele Erwachsene noch etwas lernen könnten. In jedem Fall muss sie beim Kinderyoga Berücksichtigung finden.

Was man sich unter Kinderyoga vorstellen muss

Eigentlich sind Kinder niemals zu jung, um Yoga zu praktizieren, obwohl „Praktizieren“ hier nicht in dem Sinne gemeint ist, wie Erwachsene Yoga machen. Schon Babys können mit Mamas und Papas Hilfe eine Art Yoga beginnen. Ob das sinnvoll ist oder nicht, darüber lässt sich sicher streiten. Unbestreitbar aber sind die positiven Effekte, die beim Kinderyoga ab drei Jahren – also etwa im Vorschulalter – beobachtet werden können. In diesem Alter nämlich können Kinder beginnen, auch selbstständig (nach Anleitung und unter Aufsicht eines speziell geschulten Lehrers) Yoga zu praktizieren. Anders als in Yoga-Stunden für „Große“ wird beim Kinderyoga ein Schwerpunkt auf das Spielerische gelegt. Schon die Auflockerung zu Beginn der Yoga-Stunde muss Möglichkeiten zum Austoben bieten.

Damit die Kinder während der eigentlichen Übungen nicht wild herumzappeln, ohne sich auf die Übungsfolgen zu konzentrieren, ist es notwendig, dass sie erst einmal die ganze überschüssige Energie heraus lassen können, die Kinder den ganzen Tag mit sich herumtragen und die dazu führt, dass sie pausenlos herumrennen und toben können, ohne auch nur leiseste Anzeichen von Müdigkeit erkennen zu lassen. Erst danach beginnt der eigentliche Kinderyoga mit den Yogahaltungen. Anschließend können Übungen zur Atemwahrnehmung durchgeführt werden. Auch dieser Abschnitt muss natürlich spielerisch angelegt sein, damit die Kinder bei der Sache bleiben. Abgerundet wird die etwa 30-minütige Kinderyoga-Einheit mit einer kurzen Meditation. Natürlich kann man von kleinen Kindern nicht erwarten, dass sie sich geduldig in sich selbst versenken und auf ihre innere Mitte konzentrieren. Aber mit einer Kerze, die man in der Mitte aufstellt, einem Märchen oder einer Phantasiereise kann man die Aufmerksamkeit der Kinder eine Weile fesseln und zugleich die Vorstellungskraft der Kleinen fordern und fördern.

Warum Kinderyoga den Jüngsten gut tun kann

Für viele Eltern stellt sich aber sicher zunächst die Frage nach dem Warum. Warum sollte ich mein Kind zum Kinderyoga schicken, wenn es doch rundherum glücklich und zufrieden ist? Erwachsene entscheiden sich häufig dann für die Yoga-Praxis, wenn sie unter Rückenbeschwerden, Bewegungsmangel und steifen Gelenken leiden, wenn sie sich etwas gutes tun oder einen inneren Ausgleich finden wollen. All dies kann für Kinder nur in den seltensten Fällen ein Grund sein, mit dem Yoga zu beginnen. Nur die wenigsten Kinder entscheiden sich auch bewusst für die Yoga-Praxis und wenn sie auswählen könnten, würde Yoga vielleicht nicht immer ganz oben auf der Liste der Favoriten stehen. Schnell jedoch entwickeln die Kinder Spaß an den regelmäßigen Übungen und freuen sich dann schon auf die nächste Stunde. Ganz nebenbei und unbemerkt werden die Konzentrations- und Lernfähigkeit der Kinder geschult, psychosomatische Beschwerden werden gelindert und motorische Fähigkeiten verbessert. Der Grund dafür ist ganz klar: Kinderyoga spricht die Phantasie der Kinder an. Das lässt die Praxis wie ein Spiel und nicht wie eine Aufgabe wirken.

Wenn ein Erwachsener in der Yoga-Praxis den Namen einer Asana hört – herabschauender Hund, Kobra, Krokodil und Schildkröte – dann weiß er, was von ihm erwartet wird, weil er es gelernt hat. Ein Kind aber hört die Namen und fühlt sich ganz natürlich zum Nachahmen des Tieres inspiriert. Einem natürlichen Instinkt folgend stellen viele Kinder sofort in Bewegungen dar, wovon gesprochen wird. In diesem Sinne ist der Ursprung des Hatha-Yoga, also des körperbetonten Yogas, der kindlichen Wahrnehmung und Ausdrucksweise sehr ähnlich. Das macht sich der Kinderyoga zu Nutze. Vor allem im Alter zwischen 6 und 12 Jahren ist es für Kinder und ihre Hirnentwicklung sehr wichtig, sich selbst in der Bewegung zu erfahren.

Für wen Kinderyoga geeignet und wohltuend ist

Dies ist die beste Zeit für den Kinderyoga. Bald schon können Sie beobachten, wie sich die Motorik, das Körpergefühl und die Körperwahrnehmung des Kindes verändern. Vor allem bei motorisch auffälligen Kindern, kann Kinderyoga erstaunliche Resultate erzielen. Plötzlich entwickelt das Kind ein Bewusstsein für den eigenen Körper, dafür, wie sich Dinge anfühlen und wie man den Körper gezielt in bestimmte Positionen bringt. Die differenzierte Motorik ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung des Gehirns. Verinnerlichte Bewegungsabläufe sind die Grundlage für das spätere logisch-abstrakte Denken. Aber auch für motorisch unauffällige Kinder, die vielleicht unter Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Stottern, Asthma, Mukoviszidose oder Migräne leiden, kann Kinderyoga die Antwort sein. Wird der Kurs dann mit Mantren-Gesang, spielerischen Meditationen und kreativen Übungen verbunden, besteht die Chance, dass das Kind auch längerfristig Spaß am Kinderyoga empfindet und gerne wiederkommt.

Besonders schön finden viele junge Teilnehmer, dass sie beim Yoga mal so richtig Dampf ablassen können. Tiefes, intensives und bewusstes Atmen baut psychische Spannung ab und hebt die Laune. Nicht zuletzt wirkt sich Kinderyoga auch nicht selten auf den sozialen Umgang der Kinder aus. Die Yamas und Niyamas, Regeln zum freundlich-konstruktiven Umgang mit sich und der Umwelt, sind ein wichtiger Bestandteil der Yoga-Philosophie. Werden sie verinnerlicht, zeigen sich bald deutliche Unterschiede im Umgang des Kindes mit anderen Kindern oder seinen Eltern. Sollten die Kleinen jedoch irgendwann das Interesse am Kinderyoga verlieren, so ist auch das ganz natürlich. Kinder wollen immer neues erleben und die Routine der Yoga-Praxis hat solche Abwechslung in der Regel nicht zu bieten. Zwingen Sie Ihr Kind dann nicht dazu, weiterhin am Kinderyoga teilzunehmen. Yoga sollte nicht aus einem äußeren Zwang heraus praktiziert werden und wenn sich das Kind gegen die Praxis sträubt, sind negative Effekte vorprogrammiert. Vielleicht kommt es ja später wieder auf den Geschmack, erinnert sich an die schönen Stunden beim Kinderyoga und nimmt die Praxis als Erwachsener selbst wieder auf.

Wenn Sie mehr über das Thema Kinderyoga erfahren wollen, lesen Sie das Standardwerk zum Thema: Yoga für Kinder von Thomas Bannenberg.