Vinyasas

Wörtlich übersetzt bedeutet „Vinyasa“ so viel wie die Einheit von Atmung und Bewegung. Im Gegensatz zu den statischen Körperpositionen, den Asanas, die für längere Zeit gehalten werden, sind die Vinyasas dynamische Übungsreihen, die die einzelnen Asanas miteinander verbinden. Die Vinyasas entstammen der Asthanga Yoga-Tradition des Hatha Yoga und versetzen den Übenden in eine Art Trance aus Atem und Bewegung.

Vinyasas: die Kobra, ein Position im Sonnegruß

Jede einzelne Übung wird entweder auf eine Ein- oder eine Ausatmung ausgeführt, wobei sich der Ujjayi-Atem, der sogenannte Meeresrauschen-Atem, wie ein roter Faden durch die gesamte Praxis zieht. Die einzelnen Bewegungen müssen dabei sehr exakt ausgeführt werden. Das Vinyasa Yoga – oder Ashtanga Yoga – gilt deshalb als ausgefeiltestes und schwierigstes System des Hatha Yoga.

Oftmals wird innerhalb der Yoga -Praxis auch eine feste Abfolge von Brett, Chaturanga (das langsame Absenken des ausgestrecken Körpers mit festen Armen) und Herabschauender Hund als Vinyasa bezeichnet.
Die meisten dynamischen Yoga-Stile, die heute vor allem in Fitnessstudios unterrichtet werden, gehen auf den Vinyasa Yoga des Hatha Yoga zurück. Sie nutzen die positiven Effekte der fließenden Bewegung und ihre harmonisierende Wirkung auf den gesamten Körper: Durch die dynamische Bewegung wird Hitze erzeugt, die den Körper in die Lage versetzt, die statischen Asanas verletzungsfrei auszuführen. Die einzelnen Positionen wirken dabei wie Pausen im Fluss der Bewegungen.

Der Sonnengruß

Das beste – und wohl auch bekannteste – Beispiel für die Vinyasa ist der Sonnengruß (Sanskrit: Sūrya Namaskāra). In der meist verbreiteten Variante dieser Yoga-Übung beinhaltet der Sonnengruß 12 Asanas, die im harmonischen Fluss ausgeführt werden. Diese Vinyasa eignet sich besonders gut als Aktivierungsübung am Morgen oder als Aufwärmübung am Beginn der Yoga-Praxis. Der Sonnengruß mobilisiert die Gelenke, dehnt die Muskeln und Bänder und trainiert das Herz-Kreislauf-System.

Die Vinyasa beginnt mit vor der Brust gefalteten Händen. Dann die Arme über die Seite nach oben führen, bis sie sich über den Kopf berühren. Anschließend die Arme über die Seite nach unten zum Boden führen und den Oberkörper mit geradem Rücken nach vorne beugen. Die Hände berühren den Boden. Es folgt der Ausfallschritt mit dem rechten Bein nach hinten. Die Arme werden über den Kopf geführt und verstärken die Dehnung nach hinten. Dann das linke Bein ebenfalls nach hinten, in den Herabschauenden Hund, setzten. Mit gestreckten Beinen nach vorn in die schiefe Ebene (Brett) rollen und anschließend über Chaturanga am Boden ablegen. Den Kopf anheben und in die Kobra bzw. in den Aufwärtsschauenden Hund gehen. Die Stirn am Boden ablegen und über die Knie zurück in den Herabschauenden Hund kommen. Das rechte Bein nach vorn zwischen die Hände setzen und das linke Bein nachziehen. Noch einmal tief in die Vorbeuge gehen und dann die Hände über die Seite nach oben führen, über dem Kopf falten und zurück vor das Herz ziehen.

Die Varianten des Sonnengrußes

Neben dieser klassischen Variante des Sonnengrußes gibt es zwei weitere Varianten, die Ashtanga-Varianten A und B. In der Variante A geht der Übende aus der ersten Vorbeuge sofort über Chaturanga auf den Boden, in die Kobra, und dann zurück in den Herabschauenden Hund und kommt dann mit beiden Beinen nach vorn in die Vorbeuge, bevor er sich aufrichtet und in die Ausgangsposition zurückgehrt.

Die Variante B ist etwa doppelt so lang wie die klassische Variante der Vinyasa. Hierfür geht der Übende gleich nach der Ausgangsposition in den Stuhl und erst von dort aus in die Vorbeuge, in Chaturanga, die Kobra, den Herabschauenden Hund und Krieger 1. Nun folgt erneut Chaturanga, die Kobra (bzw. der Aufwärtsschauende Hund), der Herabschauende Hund, wiederum Krieger 1 mit dem anderen Bein vorne. Die Übung endet mit einem erneuten Chaturanga, der Kobra und dem Herabschauenden Hund, bevor es in die Vorbeuge, den Stuhl und schließlich in die Ausgangsposition zurück geht.