Yin-Yoga

Yin Yoga bringt die zentralen Kräfte ins Gleichgewicht.

Der Yin-Yoga ist tief in der traditionellen chinesischen Medizin verwurzelt: Yin und Yang sind dort die beiden zentralen Kräfte, die einander im Gleichgewicht halten. Das dunkle Yin steht dabei dem hellen Yang gegenüber. Yin und Yang sind wie Tag und Nacht: Yin steht für Leere, Innen und Kälte, für Mond, Erde, Ruhe und Schatten; Yang steht für Licht, Sonne, Helligkeit, Aktivität und Himmel. Befinden sich Yin und Yang in Harmonie, so kann das Qi frei fließen. Doch es handelt sich dabei nicht um ein absolutes System: Alles, was Yin ist, ist – aus einer anderen Perspektive betrachtet – auch Yang. Alles ist im Fluss; nichts ist fest. Wie aber kann es dann sein, dass Yin-Yoga sich nur auf eine der beiden Kräfte konzentriert? Wird dadurch nicht ein Ungleichgewicht erzeugt?

Nein, denn in unserem Alltag gibt es ohnehin schon ein schweres Ungleichgewicht hin zum Yang: Stress, Hektik und Aktivität werden dieser Kraft zugeordnet. Die Yin-Elemente – Ruhe und auch Weiblichkeit – kommen dabei oft viel zu kurz. Auch bei vielen anderen körper- und kraftbetonten Yoga-Stilen, bei denen Sie so richtig ins Schwitzen kommen, wird vor allem das Yang betont. Beim Yin-Yoga widmen wir uns der vernachlässigten Seite unseres Wesens und gleichen das aus, was im Alltag oft vergessen wird. Es ist dieses Ungleichgewicht zwischen Yin und Yang, das in der traditionellen chinesischen Medizin für Krankheiten verantwortlich gemacht wird. Im „Standardwerk “Die Grundlagen der Chinesischen Medizin” von Giovanni Maciocia heißt es: „Jeder physiologische Vorgang, jedes Symptom und Krankheitszeichen kann im Licht der Yin-Yang-Thorie analysiert werden. Letztlich zielt jede Behandlungsmaßnahme auf eine der vier folgenden Strategien ab: Das Yang stärken, das Yin stärken, Yang-Fülle beseitigen, Yin-Fülle beseitigen.“ So ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, dass auch einzelne Organe und Körperteile jeweils dem Yin oder Yang zugeordnet werden. Muskeln sind Yang und Sehnen und Bänder sind Yin. Der Yin-Yoga legt also mehr Wert auf Dehnung als auf Kraft.

So wirkt die Praxis im Yin-Yoga auf Ihren Körper

Dafür werden im Yin-Yoga die einzelnen Asanas mehrere (zwischen 2 und 5) Minuten lang gehalten. Es ist ein eher statischer Yoga, dem viel Ruhe innewohnt. Damit unterscheidet er sich deutlich vom Power-Yoga, der dem Yang zuzuordnen ist. Zu glauben, dass Yin-Yoga deshalb ein langweiliger oder anspruchsloser Yoga-Stil sei, ist jedoch ein Trugschluss. Er wirkt viel tiefer gehender und subtiler und somit auch nachhaltiger. Die Muskulatur wird weicher und dort, wo Energie bisher nur gehemmt fließen konnte, wird plötzlich ein wahrer Energiefluss freigesetzt. Sie spüren, wie die Lebensenergie in Ihren Körper zurückkehrt und Sie auch zu anderen Yoga-Stilen leichter Zugang finden, die auf dieser neu gewonnen Flexibilität aufbauen können. Zwei bis vier Stunden Ying-Yoga pro Woche sind dafür jedoch die Voraussetzung. Vorbeugen, Hüftöffner, Rückbeugen und Twists sind die zentralen Elemente des Yin-Yogas. Sie sind eher passiv angelegt, finden meist im Liegen oder Sitzen statt und haben oftmals andere Namen als in anderen Yoga-Stilen, um sie deutlich von den dynamischeren Stilen abzugrenzen. Was im Power-Yoga Pflug heißt, ist im Yin-Yoga die Schnecke. Die Taube wird zum schlafenden Schwan.

Auch in dieser Namensgebung wird schon deutlich, dass die Ansätze des Yin-Yogas sich deutlich von den Ansätzen anderer Stile unterscheiden. Der Pflug ist in Bewegung, arbeitet schnell und effizient. Die Schnecke kann sich Zeit lassen, macht nur so schnell, wie sie eben kann. Die Taube fliegt umher, ist rastlos und immer in Bewegung, der schlafende Schwan aber ruht in sich, ist ganz versunken, strahlt Harmonie aus. Zugleich aber muss der Yin-Yoga deutlich vom Moonlight-Yoga, also dem Restorativen Yoga, abgegrenzt werden. Hier geht es nicht nur um oberflächliche Entspannung, sondern um Dehnung. Dass diese Dehnung aber ruhig und mit Zeit angegangen wird, liegt in der Natur der Sache. Durch das lange Halten der einzelnen Asanas erreicht die Entspannung schließlich auch tiefer liegende Regionen, das Bindegewebe, das Zwerchfell und die Bänder. Wer mit Yin-Yoga lernt, körperlich loszulassen, kann bald auch die Gedanken loslassen.

Für wen ist der Yin-Yoga am besten geeignet?

Yin-Yoga ist perfekt für alle, die einen Ausgleich zum Stress und zur Hektik des Alltags brauchen – deren tägliches Leben also sehr Yang-lastig ist, Manager ebenso wie Leistungssportler, Vollzeitmütter ebenso wie Küchenchefs – und für Senioren und zur Rehabilitation nach Krankheiten und Operationen. Yoga für Senioren kann von unterschiedlicher Intensität sein. Dehnung und das Zurückgewinnen von Flexibilität sind dabei wichtiger als Ausdauer und Kraft. Neben Yoga auf dem Stuhl eignet sich dementsprechend auch Yin-Yoga sehr gut zur Verbesserung der Beweglichkeit, zur Dehnung der Bänder und Sehnen. So wirken Sie dem Steifwerden im Alter entgegen und bewahren sich eine Mobilität, die für viele Menschen im gehobenen Alter wahrer Luxus ist.

Yin-Yoga ist außerdem ideal zur Meditationsvorbereitung. In der Meditation harrt man lange in einzelnen Positionen aus. Das kann mitunter sehr schmerzhaft sein, wenn die Bänder nicht geschmeidig genug sind. Dehnen Sie sich aber vor der Meditation im Yin-Yoga, wirkt sich das positiv auf Ihr Wohlbefinden während der Meditation aus. Durch die Betonung des Yin in diesem speziellen Yoga-Stil finden Sie zugleich auch zu Ihrer inneren Mitte. Eine ausgeglichene Geisteshaltung ist für die Meditation ebenso wichtig wie für ein zufriedenes Leben, in dem Körper, Geist und Seele in harmonischer Einheit verbunden sind. Das alles sind viele Gründe, Yin-Yoga zu praktizieren. Am besten aber überzeugen Sie sich selbst von den Fähigkeiten dieses Yoga-Stils und probieren es aus.