Kundalini Yoga

Der Kundalini Yoga ist ein Yoga-Stil, der das Ziel hat, die Kundalini-Kraft – versinnbildlicht in einer schlafend zusammengerollten Schlange im untersten Chakra – zum Leben zu erwecken und ihr zum Aufstieg in das oberste Chakra zu verhelfen, wo sie sich mit dem kosmischen Bewusstsein vereint. Die Kundalini-Kraft gilt in den tantrischen Schriften als ätherische Kraft, die jedem Menschen innewohnt. In der Vereinigung mit dem höchsten Chakra und der kosmischen Seele versetzt sie den Yogi in die Lage, höchstes Glück zu empfinden.

Kundalini Yoga

Dies ist das Ziel des Kundalini Yoga, der zuerst einmal ein Yoga-Weg ist. Er hat sich ergänzend zu den vier klassischen Wegen des Yogas entwickelt, gilt aber zumeist als Bestandteil des Raja Yoga-Weges, des königlichen Yoga. Am Ende der Entwicklung im Raja Yoga steht Samadhi, der überbewusste Zustand, die Vereinigung mit dem Göttlichen und die Erleuchtung. Dieser Zustand soll mit den Praktiken des Kundalini Yoga und des Hatha Yoga erreicht werden. Dazu gehören die Asanas, Pranayamas, die Mudras und Mantras sowie die Visualisierungen.

Die Praxis des Kundalini Yoga

Darüber hinaus hat sich im Westen in den vergangenen Jahrzehnten ein Kundalini-Stil entwickelt, der von dem Sikh Yogi Bhajan (1929 – 2004), einem indischen Yogi der Sikh-Religion, gelehrt wurde. Der Kundalini Yoga nach Yogi Bhajan verbindet Asanas, Pranayamas, Mudras und Mantren zu einem belebenden Yoga-Stil.

Dabei verknüpft er dynamische Bewegungsabläufe mit den klassischen Asanas zu Übungsreihen, den sogenannten Kriyas. Kriya bedeutet im Sanskrit „Reinigung“ und genau das ist es, was beim Kundalini Yoga geschieht: Die Nadis und Chakren des Körpers werden gereinigt und geöffnet, um der Kundalini-Kraft freien Durchlass zu gewähren. Eine Übungsreihe dauert etwa 45 Minuten. Anschließend folgen eine 15-minütige Entspannung im Liegen sowie eine Meditation. Hierbei wird im Kundalini Yoga ein ganz besonderer Fokus auf die Mantren, die Wiederholungen von Formeln und Gedanken, gelegt, wie sie bei den Sikh üblich sind. Die Mantren dienen der Transformation des Meditierenden: Durch die Wiederholung wird einerseits die Geisteshaltung des Yogi geformt und andererseits durch die Benennung Aufmerksamkeit auf bestimmte Energiepositionen im Körper – die Chakras – gelenkt. Die Energiezentren werden geöffnet und die Kundalini-Kraft kann fließen.

Eine herausragende Bedeutung für die Praxis des Kundalini Yoga hat der Sat-Kriya, die „Wahrheitsübung“. Während alle anderen Kriyas eine Abfolge von Übungen darstellen, ist der Sat-Kriya ein überaus wirksames eigenständiges Kriya. Die Übung erzeugt Hitze im Inneren des Körpers und bringt die Kundalini-Energie in Fluss. Der Fokus liegt dabei auf der unteren Bauch-Region rings um den Nabel, die durch die spezielle Atemtechnik massiert und stimuliert wird. Zum Mantra „Sat Nam“ wird auf der Silbe „Sat“ der Bauchnabel kräftig Richtung Wirbelsäule gezogen, während man auf „Nam“ die Bauchdecke wieder entspannt. Diese Übung wird im Fersensitz ausgeführt und sollte täglich mindestens drei Minuten praktiziert werden. Bei regelmäßiger Anwendung entgiftet der Sat-Kriya den Organismus und harmonisiert den Energiefluss im Körper.