Ashtanga Yoga

Ashtanga Yoga

Ashtanga Yoga ist ein körperbetonter Yoga-Stil des Hatha Yoga, der dem Übenden viel Kraft, Körperbeherrschung und Disziplin abverlangt.

Der Ashtanga-Vinyasa Yoga nach Sri K. Pattabhi Jois (Schüler von T. Krishnamacharya) wird sehr dynamisch praktiziert und ist die Grundlage für viele Hatha Yoga-Stile, die heute beispielsweise auch in Fitnessstudios angeboten werden, darunter Power Yoga (wie ihn z. B. Bryan Kest lehrt) und Yoga Flow (vor allem bekannt durch Shiva Rea).

Wörtlich bedeutet „Ashtanga“ soviel wie „achtgliedriger Pfad“ („Ashta“ = 8, „anga“ = Glied, Teil), in Anlehnung an die Philosophie des Gelehrten Patanjali, der in seinen Yoga Sutras die acht Stufen des Yoga beschreibt. Ashtanga Vinyasa Yoga ist genau genommen allerdings, mit Fokus auf Asanas und der Ujjayi-Atemtechnik, nur ein Teil des philosophischen Systems so wie es Patanjali aufzeigt. (Siehe auch: Raja Yoga)

Mit Ashtanga Yoga über sich hinaus wachsen

Wer Ashtanga Yoga praktiziert, braucht die unbedingte Bereitschaft, an sich und seinem Körper zu arbeiten. Mit den Asanas wird der Körper neu geformt und wächst über sich hinaus, wie wir am Beispiel von Madonna sehen können, die mit Ashtanga den Einstieg ins Yoga fand. Was man seinem eigenen Körper zuvor nicht zugetraut hätte, gelingt durch regelmäßiges, konzentriertes Üben der Asanas.

Die insgesamt sechs Serien (1, 2, 3A, 3B, 3C, 3D) des Ashtanga-Vinyasa Yoga bauen aufeinander auf. Einsteiger beginnen mit der ersten Serie, Yoga Chikitsa (auch Cikitsa). Diese Übungsreihe umfasst 41 anspruchsvolle Asanas. Erst wenn Yoga Chikitsa wirklich beherrscht wird, kann sich der Yogi an die zweite Serie, Nadi Shodhana, wagen. Die zweite Übungsreihe des Ashtanga Yoga-Stils umfasst wiederum 40 Asanas und sollte nur von Yogis mit ausreichender Erfahrung durchgeführt werden. Nadi Shodhana bedeutet übrigens soviel wie „Reinigung der Energiekanäle“´. Im Falle von Ashtanga Yoga wird diese Reinigung über die Asanas erreicht, in anderen Traditionen kennt man den Begriff aber vor allem als Bezeichnung für die Wechselatmung, eine Atemtechnik mit dem gleichen Ziel – der Reinigung der Energiekanäle.

Asanas auf allerhöchstem Niveau

Noch anspruchsvoller wird es in Sthira Bhaga, der erhabenen Ruhe, der dritten Serie, die sich in vier Stufen untergliedert: A, B, C und D. Übungen wie der nach oben blickende Hahn (Urdhva Kukkutasana) erfordern große Kraft und absolute Körperbeherrschung. Es ist nicht empfehlenswert, zu versuchen, diese Übungen allein zuhause zu erlernen. Beachten Sie immer: Ashtanga Yoga ist ein kraftvolles Werkzeug, das sehr gefährlich sein kann, wenn es falsch angewendet wird. Unter fachkundiger Anleitung können Sie mit viel Übung und Geduld jedoch auch die anspruchsvollen Asanas des Ashtanga Yoga erlernen. Die ersten beiden Serien (Yoga Chikitsa und Nadi Shodhana) sind für den „normalen“ Yogi bereits schwierig. Die Stufen 3 und 4 (Sthira Bhaga A und B) sind eigentlich schon nicht mehr zu bewältigen, während die letzten beiden Stufen überhaupt nur von einigen wenigen Menschen weltweit ausgeführt werden können.

Die wohl berühmtesten Übungen des Asthanga Yoga sind Surya Namaskara A und Surya Namaskara B, die beiden Varianten des Sonnengrußes, mit denen die Yoga-Praxis in der Regel begonnen wird, um den gesamte Körper zu aktivieren und auf die folgende Praxis vorzubereiten.

Ein besonderes Augenmerk legen die Ashtanga Yogis bei der Ausführung der dann folgenden Asanas übrigens auf die Ausrichtung des Blickes (Drishti). Für jede Asana ist dabei die Blickrichtung vorgegeben. Es gibt insgesamt neun Drishtis (zum Beispiel auf die Zehen, auf die Hand oder auf die Nasenspitze). Ziel ist es, durch das Fokussieren der Augen den Geist zu beruhigen und die Aufmerksamkeit von außen nach innen zu lenken.

Mittels der sogenannten Bandhas (gezielte Muskelkontraktionen) wird dann außerdem noch versucht, den Fluss der Lebensenergien zu lenken und innere Stärke zu erzeugen. Während sich Mula Bandha auf die Beckenbodenmuskulatur konzentriert, erfordert Uddiyana Bandha die Kontraktion der Bauchmuskulatur. Gemeinsam ausgeführt, unterstützen die beiden Bandhas die wärmeerzeugende Wirkung der Ujjayi-Atmung und geben dem Körper zusätzliche Festigkeit in den Asanas.